Zurab J. Gagnidze
Bass, Gesang
Es heißt, dass Zurab bereits im Alter von drei Jahren zu singen begann. Eigentlich hatte er gar keine andere Wahl,
da in seiner Familie so ziemlich jeder sang. In der Zwei-Zimmer-Wohnung, in der zwischen neun bis elf Personen
lebten, sammelten sich ständig Freunde und es wurde Musik gehört und gesungen. Dabei konnte Zurab stundenlang
vor dem Plattenspieler stehen und der Musik zuhören. Er konnte anhand des Plattencovers alle Platten erkennen
und konnte beinahe jedes Lied nachsingen. Mit etwa 10 Jahren begann Zurab bei seiner Oma Gesang zu lernen, die
eine Enthusiastin des georgischen Gesangs war. In der 9. Klasse ließ sich Zurab in das Gitarrenunterricht der
Schule einschreiben. Leider existierte dieser Unterricht nur etwa drei Monate. Danach nahm Zurab einige Monate
lang Unterricht bei einem berühmten Rock-Gitarristen, wonach er endgültig beschloss, auf Bass umzusteigen.
In der 10. Klasse gründete Zurab seine erste Band. Sie spielten Covers von Deep Purple und The Beatles, und als
die ersten Jazz-Rock Bands entstanden, wurde die Band „Chicago“ zu ihrer großen Liebe. Bereits nach wenigen
Schulauftritten wurden sie in ihrer Schule berühmt.
Nach der Schule begann Zurab das Studium der Informationstechnologie an der Polytechnischen Universität in Tbilisi.
Die Universität hatte ein reiches und aktives musikalisches und kulturelles Leben; das Studententheater seiner
Universität war nicht nur in Georgien hoch angesehen, sondern auch im Ausland, in der Universität wurden jährliche
Musikfestivals veranstaltet und fast jeder Studiengang hatte eine eigene Band. Ab dem 8. Semester war Zurab an der
Organisation dieser Festivals beteiligt und spielte in einer Bigband. Diese hatte großen Erfolg, sie spielte auf
Festivals, im Fernsehen und im Radio. Später wurde Zurab als Bassist in die berühmte Universitätsband „Homli“
eingeladen, die eigene Stücke spielte, die auf georgischer traditioneller Musik basierten.
Nach einem glänzenden Universitätsabschluss verbrachte er ein Jahr in London. Danach arbeitete er 13 Jahre lang
im Institut der Informationstechnologie an der Staatlichen Universität von Tbilisi und während dieser ganzen Zeit
beschäftigte er sich nach wie vor mit der Musik. Eines Tages kam der Gitarrist Zaza Miminoshvili in das Institut
und schlug Zurab vor, zusammen zu spielen. Dieser Tag war die Geburtsstunde einer langjährigen Freundschaft und
des kreativen Bundes dieser zwei Musiker. 1990 gründeten sie das Ensemble „Adio“. Übrigens, der Bass, der auf dem
darauffolgenden Album von „Adio“ zu hören war, war genau der Bass, den sich Zurab während seines Aufenthalts in
England gekauft hat.
Das war die Fortsetzung der Suche nach der Synthese von traditioneller Musik mit einer modernen Form. Eines der
„Adio“ Konzerte wurde von dem berühmten georgischen Komponist, Gia Kancheli, besucht. Was er dort hörte, gefiel
ihm so sehr, dass er den Musikern vorschlug, Musik für die Theaterstücke des berühmten georgischen Regisseurs,
Robert Sturua, zu komponieren. So entstanden Kompositionen zu vielen Theaterstücken des Theaters Rustaveli.
1993 wurde ”Adio” für eine Tour und Albumaufnahme nach Deutschland eingeladen, wo die Musiker ursprünglich nur
einige Monate bleiben wollten. Das Schicksal fiel so aus, dass für Zurab diese Tour immer noch fortläuft. Während
er bereits in Deutschland war, nahm er Teil an dem berühmten “Black Sea Project” von Okay Temiz, an vielen
internationalen Festivals, er schrieb und schreibt nach wie vor Musik für Kinofilme und Theaterstücke, leitet
Seminare zu georgischer Polyphonie. Er teilte die Bühne mit Giora Feidman, Randy Brecker, Chaka Khan, Ramesh Shotam,
Jorge Pardo und weiteren berühmten Musikern. 1998 gründeten Zurab und Zaza das Duo „The Shin“, dem sich im Jahr 2000
der begabte Sänger und Perkussionist, Mamuka Gaganidze, anschloss.
Im Jahr 2005 entstand das Programm „EgAri“. Aus dem georgischen übersetzt, bedeutet „EgAri“ wörtlich „das ist es“.
Für Zaza und Zurab war es das Ergebnis einer langjährigen Arbeit mit traditioneller georgischer Musik. Es war eine
sehr sorgfältige Arbeit mit dem Material, was zur Folge führte, dass die Musik ihre Eigenartigkeit beibehielt und
gleichzeitig einen frischen Klang bekam. Es ist die Ansicht von Zaza und Zurab auf Tradition allgemein, wie sie
zugänglich gemacht werden kann, nicht nur für einen kleinen Kreis an Kennern, sondern auch für junge und ältere,
für Georgier und Menschen aus anderen Ländern, die zum ersten Mal rausgefunden haben, dass es irgendwo das Land
Georgien gibt, für die Menschen, die dieses Land kennen und lieben dank der Musik von The Shin.



